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Unter der Leitung von Bruder Paul Mathis kam es nach einer Filmsequenz zu einem lebhaften Gedankenaustausch.
Unter der Leitung von Bruder Paul Mathis kam es nach einer Filmsequenz zu einem lebhaften Gedankenaustausch.

Im Kapuzinerkloster Wil setzen sich Teilnehmende des Franziskus-Zyklus unter der Leitung von Bruder Paul Mathis mit dem Leben und der Botschaft des Heiligen Franziskus auseinander. Nach einer Filmsequenz kommt es zu einem lebhaften Gedankenaustausch.

Beatrice Oesch (Bericht in der Wiler Zeitung)

Wil. Es ist Donnerstagabend. Im holzgetäfelten Refektorium des Kapuzinerklosters Wil stehen Stühle im Halbkreis um eine brennende Kerze und eine schlichte Glasvase mit leuchtenden Wiesenblumen. Rund fünfzehn Personen haben sich hier bei Bruder Paul Mathis zum zweiten Abend des vierteiligen Franziskus-Zyklus eingefunden, geben einander zur Begrüssung die Hand. Es herrscht eine vertraute Atmosphäre, auch erwartungsvolle Spannung ist zu spüren. Bruder Paul fasst kurz den Inhalt des letzten Zyklus-Abends zusammen und zeigt dann den zweiten Teil des Franziskus-Films von Liliana Cavani, der auf Quellentexten aus dem 13. Jahrhundert über den Heiligen Franziskus von Assisi aufbaut. Der Film ist teilweise schockierend offen; er zeigt den sonst so oft verklärt und einseitig dargestellten Heiligen von einer ganz anderen, provokanten Seite. Armut und Schmutz, die schmerzhafte Abkehr von seinem reichen Vater und die konsequente Umsetzung der Heiligen Schrift werden ebenso thematisiert wie seine Beziehungen zu seinen Anhängern und seinem Umfeld.

Kritisch hinterfragt
Nach der Filmsequenz eröffnet Bruder Paul den Gedankenaustausch über den Film und die Figur des Heiligen Franziskus unter dem Aspekt „Beziehungswandel“, und schon bald ergibt sich ein lebhaftes Gespräch. Dabei wird auch kritisch hinterfragt und versucht, sich in die gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Verhältnisse des 13. Jahrhunderts hineinzuversetzen. Der gemeinsam gesungene Kanon „Vater unser im Himmel“ bildet den Abschluss des zweiten Zyklus-Abends. Rita Scherrer, seit rund acht Jahren Vorsteherin der Franziskanischen Gemeinschaft, sowie Cristina Zanetti, die 2012 ihre Nachfolge antreten wird, nehmen mit ihren Ehemännern am Franziskus-Zyklus teil. „Mich zieht hier die Spiritualität an, und der Heilige Franziskus als ein Beispiel, von dem man nur lernen kann. Ausserdem schätze ich besonders den Humor der Kapuziner, der aus Glauben und Liebe kommt“, meint Rita Scherrer, und Cristina Zanetti nickt zustimmend und fügt an: „Am Heiligen Franziskus fasziniert mich seine Liebe zur Schöpfung, seine Bescheidenheit und Demut. Und dazu kommt, dass ich ganz in der Nähe des Klosters wohne, und es gehört zu meinem Leben einfach dazu.“

Wurzeln ausserhalb des Klosters
Nach dem zweiten Teil des Franziskus-Zyklus erklärt Bruder Paul gegenüber der Wiler Zeitung, was ihn dazu motiviert, solche Veranstaltungen zu organisieren. „Natürlich möchte ich die Leute „gluschtig“ machen auf das Franziskanische, und dass sie sich mit dem Heiligen Franziskus auseinandersetzen, der einfach ein authentisches Leben für sich selbst haben wollte und sehr intuitiv handelte.“ Und dann verrät er noch mit einem Augenzwinkern: Mein Wunsch ist, dass diese neue Gruppe weiterbesteht und ausserhalb der Klostermauern Wurzeln schlägt, und wir Kapuziner so von aussen mitgetragen werden. Das wäre doch sehr schön“, schliesst er lächelnd.

Der Franziskus-Zyklus steht allen Interessierten offen und findet an zwei weiteren Donnerstagen im Refektorium statt: Am 19. und 26. Mai 2011 jeweils von 19.30 bis 21.30. Die Franziskanische Gemeinschaft führt regelmässig Bibelstunden, Franziskanische Feiern und Gesprächsabende durch; nähere Infos unter kapuzinerwil.ch