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WIL Versöhnungsweg im Advent für Erwachsene im Kapuzinerkloster

Vom 7. bis 12. Dezember 2010 lädt Bruder Paul Mathis zu einem besinnlichem Stationenweg mit alltäglichen Konfrontatio­nen ins Kapuzinerkloster Wil ein. Zehn Besinnungsstationen sollen die Besucher auf den «Weg nach innen» führen.



Die Idee zu einem solchen Ver­söhnungsweg kam den drei Kate­chetinnen Brigitte Schönenberger, Marianne Truniger und Gerda Köp­pel auf einer Reise nach Assisi. «Als wir Bruder Paul mit unserer Idee konfrontierten, sind wir auf of­fene Ohren gestossen», betont Bri­gitte Schönenberger. «In der hek­tischen Adventszeit ist es wich­tig, einen stillen Ort zu finden», ist Gerda Köppel überzeugt.
Bruder Paul hat in tagelanger Arbeit das «Schöpfli» beim Kloster entrümpelt. Zusammen mit den drei Katechetinnen wurde dann der Versöhnungsweg erstellt.

«Ziel des Stationenweges ist es, eine nicht ganz gewöhnliche Mög­lichkeit zu bieten, der Adventszeit eine besinnliche Note zu verlei­hen und über sich, sein Leben und Gott nachzudenken», erklärt Bru­der Paul. «Die Gäste sollen durch Erfahrungen mit dem eigenen «In­nersten » in Berührung kommen und im Vordergründigen das Hin­tergründige entdecken.»

Einstimmen
Die Besucher werden von den drei Damen zu Beginn im «Schöpfli» auf den Versöhnungsweg einge­stimmt. In der Hektik des Vor­weihnachtszeit steckt die Sehn­sucht, einmal anzukommen und die Gegenwart zu geniessen. «Wir müssen zuerst bei uns selbst an­kommen, damit wir die Ankunft von Jesu Christi erleben können», so Bruder Paul.

Der Weg
Treppen führen in den Estrich, einem Zwischenlager von allen möglichen Dingen, in der Keller als
Lagerraum und schliesslich in die Kirche, dem Ort der Ruhe.
Es stellt sich zu Beginn des Weges die Frage nach den Ritualen, die dem Gast helfen mit Sorgen und Ängsten klar zu kommen. Das Ge­bet, Musik, das Gespräch mit einer Vertrauensperson, eine Kerze an­zünden oder den Fernseher aus­schalten – dies könnten Wege sein.

Wagenräder
Auf dem Dachboden trifft der Besu­cher auf eine Ansammlung von al­ten Wagenrädern. Sie erinnern da­ran, dass ohne Räder nichts läuft. Die Nabe des Rades hält und richtet die Speichen aus. Die Felge bindet und verbindet und der eiserne Reif verleiht dem Rad Festigkeit und Halt. «Es stellt sich hier die Frage, mit welchen Menschen bin ich spe­ziell verbunden, welche Menschen schenken mir Halt?» erklärt Bru­der Paul. «Der Besucher ist einge­laden, einem Menschen, mit dem
er sich besonders verbunden fühlt, eine Grusskarte zu schreiben.»

Reise und Koffern
Eine Vielfalt von alten Koffern erin­nert an das Thema Reisen und die Packliste vor den Ferien. Es gibt aber auch eine Packliste zur Le­bensreise. Dazu gehören Freunde, Ziele, Vertrauen in Menschen und Gott, Dankbarkeit oder Heimatge­fühle.

Waschkrüge
Bis 1925 habe im Kapuzinerklos­ter Wil kein fliessendes Wasser in den Zellen der Brüder gegeben, le­diglich in der Küche. 1965 sei dies geändert worden, so Bruder Paul. Vorher hatte jeder Bruder einen Wasserkrug und eine Waschschüs­sel zur täglichen Hygiene.
Sich waschen ist ein regelmässi­ges Ritual, es reinigt und erfrischt. «Eine Reinigung kann aber auch zu einer klareren Sicht verhelfen», weiss Bruder Paul.

Stühle
Bis in die Renaissance waren Stühle den Herrschern und dem Papst (hl. Stuhl) vorbehalten. Das Gesinde hatte auf dem Bank oder einem Hocker Platz zu nehmen. Es stellt sich nun die Frage nach dem Stuhl, der den eigenen Alltag dominiert. Würde man gar gerne andere Stühle besetzen? Werde ich von Mitmenschen «sitzen ge­lassen », oder lasse ich zur Zeit an­dere Menschen sitzen? Wie kann diese schmerzliche Situation ver­ändert
werden?

Überwinterung/Eingemachtes
Im Keller trifft der Gast auf Früchte, die an die eigenen «Le­bensfrüchte » erinnern. Er hat nun die Möglichkeit, ein Glas mit «sei­ner » Frucht zu beschriften. Vie­les geht im Leben verloren, ver­dirbt oder verliert an Wert. Miss­lungenes kann auf einen Zettel geschrieben und im Kompostbe­hälter entsorgt werden. Die Zettel
verrotten dann langsam auf dem Klosterkompost.
Die Dinge im Keller drängen auch die Fragen auf, was bei einem per­sönlich Winterruhe braucht, was wartet auf den Frühling, oder wo konnte der Gast in seinem Leben nicht warten?

Die Kirche
Der Weg führt dann Schritt für Schritt zuerst zur Kirchentür und dann ins Gotteshaus selbst. Der Gast empfindet die Kirche indi­viduell als Ort der Ruhe, der Ge­meinschaft, der Besinnung und Gotteserfahrung, des Bittens, Dan­kens, des Klagen oder des Betens. «Je nach dem, welche Gedanken dem Gast nachwirken, kann er aus Dankbarkeit für seine Lebenserfah­rungen eine Kerze anzünden», be­tont Bruder Paul. «Wenn ein Besi­cher eine persönliche Aussprache oder eine Beichte wünscht, kann er sich bei einem Kapuziner in der Klosterkirche melden.» Am Schluss des Stationenweges besteht die Möglichkeit, sich mit einem Tee oder Punsch in der Sup­penstube, wo früher Reisende ver­pflegt wurden, aufzuwärmen.

Walter Sutter

Den „Weg nach innen“ finden – ein Bericht von Walter Sutter in den „Wiler Nachrichten“