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Der kleine Teich wird für seine Glanzrolle hergerichtet. Bruder Paul Mathis mit Gerda Köppel, Brigitte Schönenberger und Marianne Truniger (von rechts) | © Bea Oesch
Der kleine Teich wird für seine Glanzrolle hergerichtet. Bruder Paul Mathis mit Gerda Köppel, Brigitte Schönenberger und Marianne Truniger (von rechts) | © Bea Oesch

Den Klostermauern entlang dem Leben von Gallus folgen und dabei an interaktiven Stationen den Weg zu sich selbst finden – das können Besucher des Kapuzinerklosters Wil ab Ende April. Die Vorbereitungen für das Projekt laufen auf Hochtouren.

von Beatrice Oesch (Bericht Wiler Zeitung)

Wil. Durch die Fenster des Refektoriums im Kapuzinerkloster Wil strahlt die Frühlingssonne. Auf den langen Esstischreihen sind Ausdrucke von Texten, farbige Papierbögen und grosse Bilderrahmen verteilt. Hier laufen die Vorbereitungen für ein neues Projekt auf Hochtouren: „Mit Gallus entlang den Klostermauern“. Bruder Paul Mathis und die Katechetinnen Gerda Köppel, Brigitte Schönenberger und Marianne Truniger besprechen gerade das Layout der Plakate. „Wir diskutieren alles heftig, auch feinste Nuancen“, sagt Bruder Paul verschmitzt, und die Frauen stimmen ihm lachend zu. Das eingespielte Team hat bereits den „Weg nach innen“ in der Adventszeit 2010 gestaltet, und mit den ersten Vorbereitungen für den Gallusweg letzten Sommer begonnen. Zum Jubiläum „1400 Jahre Gallus“, das 2012 im ganzen Kanton St. Gallen mit verschiedenen Anlässen und Aktivitäten gefeiert wird, gleist das Kapuzinerkloster Wil gleich zwei Projekte auf. In „Gallus auf Zeit hinter Klostermauern“ können von April bis Oktober Männer am Leben der Kapuzinerbrüder teilhaben. In der gleichen Zeitspanne lockt ein interaktiver Weg entlang der Klostermauern Besucherinnen und Besucher in den Klostergarten.

Kleister und Föhrenzapfen

Zwischen dem persönlichen Empfang im Klosterschöpfli und dem Ausklang bei einem knisternden Feuer wird vor den Besucherinnen und Besuchern eine besinnliche Stunde liegen, in der sie Spannendes aus dem Leben von Gallus erfahren und Parallelen zu ihrem eigenen Leben suchen. Dabei können sie beschriftete Blätter aufhängen, kleistern, nageln, Leitern erklimmen. Auch Föhrenzapfen und eine Bretterwand mit Löchern sind wichtige Requisiten. „Der Weg im ruhigen Klostergarten soll alle Sinne ansprechen“, erklärt Bruder Paul. Man spürt, dass alle im Team für ihr Projekt Feuer und Flamme sind. „Von Gallus wusste ich vorher nicht viel, aber jetzt hat er mich richtig gepackt“, verrät Marianne Truniger, die viel Material über den Heiligen gesammelt hat. Brigitte Schönenberger schätzt die Gesprächskultur im Team: „Unsere Diskussionen und das kritische Hinterfragen bringen Klarheit.“ Bruder Paul ergänzt: „Die Katechetinnen bringen viel Religionspädagogik ins Spiel, und durch das gemeinsame Ringen können wir uns auf das Wesentliche beschränken.“ Gerda Köppel, die den Stein für den Gallusweg ins Rollen gebracht hat, sagt: „Unsere Teamarbeit ist eine Bereicherung und beflügelt.“

Am kleinen Goldfischteich

Die Gruppe geht hinaus in den Garten, um verschiedene Punkte gleich vor Ort zu besprechen. Der Klostergarten mit seinen Mauern bildet für den Gallusweg einen idealen Rahmen. Heute präsentiert er sich von der schönsten Seite, voller Frühlingsduft und bunter Primeln. Am kleinen Goldfischteich, der auch eine Station des Gallusweges werden soll, lichtet Bruder Paul die Wasserpflanzen aus, und die Frauen helfen mit. „Wir haben im Klosterareal nach Orten gesucht, die sinnbildlich zum Leben von Gallus passen, wie den Teich und die Mariengrotte“, sagt Bruder Paul. Der Garten und gesammeltes Material generierten eine Fülle von Ideen. „Das Einrichten der Stationen werden wir demnächst in Angriff nehmen, denn am 28. April ist Eröffnung“, fügt er lächelnd hinzu und rückt einen von den Amseln durchwühlten Blumentopf zurecht.