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An einer Station gewährt das Spähen durch Löcher überraschende „Einsichten und Aussichten“. | © Bea Oesch
An einer Station gewährt das Spähen durch Löcher überraschende „Einsichten und Aussichten“. | © Bea Oesch

Bei Backofenhitze erkundeten Besucher am vergangenen Wochenende den neueröffneten Gallusweg im Kapuzinerkloster. Den Klostermauern entlang entdeckten sie Plätze voller Überraschungen, und an interaktiven Stationen auch sich selbst.

Im Klostergarten bläst der Föhnsturm bereits die ersten Blütenblätter der Obstbäume wie Schneeflöckchen vor sich her, und es herrscht eine Backofenhitze bei der 30-Grad-Marke. Doch von dieser höchst ungewöhnlichen Wetterlage lassen sich unerschrockene Besucherinnen und Besucher nicht abhalten, am letzten Aprilwochenende den neu eröffneten Gallusweg im Kapuzinerkloster Wil zu erleben. Im Gallusstübli vom Klosterschöpfli werden sie empfangen und ins Thema eingeführt. Dann geht es im Schöpfli durch Estrich und Keller, durch ein Wäldchen mit duftendem Bärlauch an der Mariengrotte vorbei in den Klostergarten. Den Klostermauern entlang stösst man immer wieder auf verschwiegene Plätzchen, Überraschungen und liebevoll gestaltete Dekorationen aus Moos, Blumen, Schachtelhalmen und Rinde. An den schönsten Fleckchen, mal in der Sonne, mal im Schatten, laden Gartenstühle zum Verweilen ein. An neun interaktiven Stationen, die Parallelen zwischen dem Leben von Gallus und dem eigenen Leben ziehen, wird man mit sich selbst konfrontiert, mit eigenen Träumen und Sehnsüchten. Hin und wieder kann man ein leises Gemurmel oder auch Gekicher hören, Vogelgezwitscher, Bienengesumm, im Wäldchen auch etwas Strassenlärm. Doch der Weg führt zu Ruhe und Besinnung.

Am plätschernden Brunnen

„Das ist eine Labsal für die Seele“, sagt eine Besucherin spontan im Vorbeigehen. Ihr Begleiter erklimmt daraufhin mit leisem Lachen die „Karriereleiter“, während sie Föhrenzapfen aus grossen Körben in aufgestellte Behälter mit Bezeichnungen wie „Ansehen“, „Erfolg“, „Anerkennung“ wirft und so zum Ausdruck bringt, was ihr wichtig ist. Eine kleine Gruppe hat sich um den Goldfischteich versammelt, wo sich eine leuchtendgelbe Trollblume im Wasser spiegelt. Alle haben eine gefaltete Papierblume aufs Wasser gelegt und warten nun gespannt darauf, dass diese bunten Blüten sich öffnen und ihr Inneres preisgeben. Ganz zum Schluss wartet ein besonderer Höhepunkt: Der Weg führt ins Innerste des Klosters, einen kleinen, völlig umschlossenen Innenhof. Dort knistert und flackert ein Feuer in einer Feuerschale, am plätschernden Brunnen stehen Trinkgläser und ein Korb mit knusprigen Brötchen bereit. Bequeme Stühle laden zum Ausruhen ein, und man kann sich austauschen und den Rundgang ausklingen lassen.

Einblicke und Ausblicke

Bruder Paul Mathis und die Katechetinnen Brigitte Schönenberger, Marianne Truniger und Gerda Köppel haben den Gallusweg gestaltet. Sie haben kreative Ideen aufs Wesentliche reduziert, in einem riesigen Zeitaufwand umgesetzt und zu einem überzeugenden Ganzen kombiniert. Der Weg überrascht immer wieder – durch originelle Einblicke und Ausblicke und Stationen, die perfekt auf den Klostergarten und das Schöpfli abgestimmt sind. Wenn man es gemütlich nimmt, dauert der Rundgang etwa eine Stunde; der Witterung angepasste Kleidung wird empfohlen. Rund 25 Personen haben am Eröffnungswochenende den Gallusweg besucht, konnten hier Ruhe finden und neu Energie auftanken.

Der Weg entlang der Klostermauern im Kapuzinerkloster Wil ist von April bis Oktober jeweils am letzten Wochenende des Monats geöffnet: samstags von 8.30 bis 11 Uhr, sonntags von 14 bis 16 Uhr.

 

Wiler Zeitung vom Montag, 1. Mai 2012, Text und Fotos Bea Oesch

Karriereleiter, Macht, Anerkennung: Hier können sich Besucher Gedanken darüber machen, was ihnen wichtig ist. | © Bea Oesch
Karriereleiter, Macht, Anerkennung: Hier können sich Besucher Gedanken darüber machen, was ihnen wichtig ist. | © Bea Oesch
Warten am Goldfischteich: Aufs Wasser gesetzte bunte Papierblüten enthüllen erst etwas später ihr geheimnisvolles Inneres. | © Bea Oesch
Warten am Goldfischteich: Aufs Wasser gesetzte bunte Papierblüten enthüllen erst etwas später ihr geheimnisvolles Inneres. | © Bea Oesch