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Holzscheite als Sinnbild der Scheiterns werden ins Osterfeuer gelegt
Holzscheite als Sinnbild der Scheiterns werden ins Osterfeuer gelegt

Die Osternachtfeier im Kapuzinerkloster Wil stand im Zeichen des Scheiterns aber auch der neuen Hoffnung und Zuversicht.

Bericht und Fotos von Christoph Oklé

WIL. „…und Gott sah, dass alles sehr gut war“, heisst es in der Schöpfungsgeschichte. Diesen dort immer wieder verwendeten Satz konnte man an diesem frühen Sonntagmorgen gut verstehen, als die Vögel mit ihrem Gesang den beginnenden Tag begrüssten.

Gescheitert
Eine Stunde vor Sonnenaufgang hatte sich am Sonntag-morgen eine grosse Schar von Gläubigen zur Osternachtfeier im Garten des Kapuzinerklosters versammelt. Doch obwohl damals Gott gesehen hatte, dass alles gut war, habe die Schöpfung mittlerweile nach Erlösung geseufzt, erklärte Guardian Josef Haselbach. Und da die trockene Erde sehnlichst auf belebendes Nass wartete, erhielt sogar der an und für sich unangenehme leichte Regen während der Feier im Freien eine positive Bedeutung, der Glaube und die Hoffnung, dass schliesslich alles wieder gut werde.

Bruder Josef nannte dabei den Karfreitag, an dem des Todes Jesu gedacht wird. An diesem Tag seien die Jünger traurig und bitter enttäuscht auseinandergegangen: Jesus tot, gescheitert und ins Grab gelegt – einen Stein davor, Finsternis und Leere. Jetzt sei man wieder zusammengekommen, um mit den Frauen zum Grab zu gehen; in der Trauer, dass ihnen derjenige genommen worden war, auf den sie so viel gesetzt hatten und mit dem ihre Hoffnungen und Träume begraben worden seien.

Glaubensnacht
„Dies geschieht immer wieder aufs Neue“, meinte Bruder Josef, „Menschen wissen nicht mehr weiter, Träume zerbrechen, Hoffnungen werden zerstört, und nicht wenige sehen das Licht des Tages nicht mehr, sondern nur noch schwarz und können das Wunderbare im Leben nicht mehr wahrnehmen.“ Auch in uns gebe es Abgestorbenes, Finsternis, Leere, begrabene Träume und zerstörtes Leben. „Das alles wollen wir mitnehmen, Dinge an denen wir gescheitert sind.“ Und dies solle an diesem Ostermorgen mittels eines Holzscheits geschehen.

„Das Grab Jesu war eine bittere Enttäuschung. Es wurde den Seinen zur Glaubensnacht. „Glaubensnacht verbreitet sich immer wieder. Hoffnungslosigkeit lähmt auch heute. Menschen, die gescheitert sind, verfallen der Aussichtlosigkeit. Aber immer wieder hat Gott Licht ins Dunkel gebracht. Es hatte schon gut begonnen mit deinem ersten Wort in den finsteren Urbeginn und das Chaos der Welt: Es werde Licht.“

Neue Hoffnung
Gottes Licht habe sich immer wieder durchgesetzt und sei zu den verschiedensten Zeiten aufgeleuchtet. In dramatische Geschichten hätten Einzelpersonen und ganze Völker immer wieder neu erhellende Erfahrungen mit ihm gemacht, seien gereift und weitergekommen. Sie hätten diese Geschichten weitererzählt und die Hoffnung entzündet, „dass sein Licht dunkle Nacht durchbreche und sein Funke auf Menschen überspringe.

In dem als Sinnbild dafür entzündeten Osterfeuer, das in uns von neuem Eifer und Freude entflammen und Hoffnungsträger für andere werden soll, die die Hoffnung verloren haben, jene Hoffnung, die schliesslich in der Auferstehung Jesu Christi voll aufgeleuchtet sei, wurden die Scheite eingelegt: Scheite des Scheiterns. In diesen wurden Fragen und Sorgen, Gescheitertes zu Gott gebracht; mit dem Wunsch, dass sich diese mit Feuer und Flamme für neue Hoffnung und Zuversicht erfüllen.