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Die Liebe hat sich kein Haus gesucht,
kein festes aus Stahl und Beton und Glas.
Die Liebe hat sich das Zelt gewählt, windschief, zugig und naß.
Die Liebe ist kein gesicherter Ort, so wie des Königs Palast.
Die Liebe sie zittert, sie leidet Not, und trägt eine schwere Last.
Die Liebe hat sich den Platz gewählt,
wo sie not tut, wo sonst nichts mehr zählt.
Glückselig der Ort.
Glückselig das Herz,
das aus der Liebe sein Leben nährt.

Das Zelt als Krippe – eine ungewöhnliche Darstellung. Diese Darstellung ist ebenso fremd, wie der Johannesprolog. Der Evangelist Johannes erzählt im Vergleich zu Matthäus und Lukas eine anders-artige Geschichte von der Menschwerdung Gottes:

Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott
und in allem war es Gott gleich.
Und das Wort ist Mensch geworden.
Zeltend wohnte es unter uns. (1 Joh 1,1;14)

Der Evangelist Johannes zeigt eine besondere Seite von Gott. Er nimmt die Erfahrung der Israeliten auf: Gott selber war mit dem Volk Israel unterwegs. Er war gegenwärtig in der Bundeslade in einem Zelt.
Und nun offenbart sich Gott nochmals auf eine völlig neue Weise.

Und das Wort ist Mensch geworden.
Zeltend wohnte es unter uns. (1 Joh 1,14)

Der allmächtige Gott kommt uns nahe als ohnmächtiges kleines Kind.
Wohnhaft in einem Zelt. Nicht etwa in einem Haus aus Stein, sesshaft und gesichert innerhalb einer Stadtmauer. Nein, zeltend, wie Beduinen, ein paar Stecken in den Boden gerammt und eine Plache darüber – das ist die Wohnung Gottes!
Nichts Festes. Und immer auch bereit, das Zelt wieder abzubrechen und weiter zu ziehen.
Ein ähnliches Thema nimmt auch der Evangelist Lukas auf. In seiner Erzählung erkennen zuerst die Hirten auf dem Feld, dass in der Nacht etwas Besonderes geschehen ist. Ausgerechnet die Hirten, landlose umherziehende Vagabunden, sind offen für dieses Neue…

Und das Schicksal der jungen Familie fährt mit diesem Thema fort. Der Evangelist Matthäus berichtet, wie Josef und Maria mit dem Kind fliehen müssen. Sie selber sind gezwungen, aufzubrechen, die Flucht zu ergreifen, heimatlos herumzuziehen…
Dieses Schicksal zieht sich im Leben Jesu wie einen roten Faden durch. Der erwachsene Jesus sagt:
Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. (Lk 9,58;Mt 8,20) Was könnte uns Gottes Lebensweise unter den Menschen heute sagen? Gott selber hat das Ungesichertsein auf sich genommen. Er ist Gegenwärtig auch in den vielen Unsicherheiten unserer Zeit. Und Gott ist nicht festzuhalten. Heute hat er sein Zelt hier aufgeschlagen, morgen steht es vielleicht schon wieder woanders. Aber wenn ich offen bin, kann ich vielleicht seine Spuren im „Wüstensand“ meines Lebens erkennen.